MBB (Eurocopter)
Bo105
Versionen/Nutzer
| Bezeichnung |
Erklärung |
Stückzahlen |
| Bo105M (VBH) |
Verbindungshubschrauber für Heer der Bundeswehr, modifizierter Bo105CB |
100 |
| Bo105P (PAH-1 / PAH-1A1) |
Panzerabwehrhubschrauber für Heer der Bundeswehr, ebenfalls auf zivilen Bo105CB aufbauend |
212 |
| Bo105C |
VBH für die Niederlande |
30 |
| Indonesische Luftwaffe 16 Bo-105C aus deutscher Produktion sowie 18 aus heimischer Lizenzmontage |
34 |
| Indonesische Marine |
5 |
| Indonesisches Heer |
16 |
| VBH für den Irak, teilweise mit Panzerabwehrwaffen nachgerüstet |
40 |
| Philippienen |
14 |
| Brunei, bewaffnet mit Kanonenbehälter und Raketen |
6 |
| HA.15 |
PAH/HCT der spanischen FAMET |
29 |
| HR.15 |
Bo105CB mit 20mm Rh-202 –Kanone unter dem Rumpf, FAMET |
33 |
| HE.15 |
VBH auf Stand der Bo105CB für FAMET |
11 |
| HKP-9A |
Mit TOW bewaffnete, dem Bo105CB ähnliche Muster für schwedische Armee |
20 |
| HKP-9B |
Bo105CBS (verlängerter Rumpf, überholtes Getriebe) für schwedische Luftwaffe |
4 |
| ? |
mexikanische Marine |
20 |
| ? |
Nigeria für SAR, aber auch bewaffneter Einsatz möglich (Produktion in Deutschland und Nigeria) |
24 |
| Bo105LS |
Peru |
11 |
| Bo105CBS |
Brunei vermutlich als VBH |
1 |
Gestaltung
Das wirklich Innovative an der gesamten Konstruktion ist die Auslegung des vierblättrigen Hauptrotors. Die Verwendung von
GFK mit seinen elastischen Eigenschaften für die Rotorblätter, die über Rollenlager mit der aus einem Stück geschmiedeten
Titannabe verbunden sind, ermöglichten den völligen Verzicht auf Schlag- und Schwenkgelenke. Die Übertragung der
Steuerimpulse erfolgt durch diese Anordnung unmittelbar vom Rotorholm auf die Rotorblätter. Der Einstellwinkel der
Rotorblätter wird durch das Durchbiegen der Blätter in Schlagrichtung erreicht. Durch die Einsparung und Vereinfachung der
Schlag- und Schwenkgelenke lassen sich die Teilezahl und somit auch die Kosten erheblich reduzieren. Außerdem entfallen eine
gewisse Anzahl an Wartungsstunden gegenüber herkömmlicher Rotorsystemen, da diese aufwendig geschmiert und kontrolliert
werden müssen. Zur Herstellung der Rotorblätter wurde wie schon erwähnt GFK genutzt, der Kern der Rotorblätter wird mit
PVC-Hartschaum ausgeführt. Die Blattleitkante ist zum Erosionsschutz mit einem Titanstreifen versehen, die Heckrotorblätter
besitzen Edelstahlschutzbleche für den selben Zweck. Am Blattansatz wurden kugelförmige Schwingungsdämpfer installiert.
Auf Grund der verwendeten Materialen besitzen die Hauptrotorblätter eine zugelassen Lebensdauer von bis zu 10000 Stunden.
GFK wird ebenfalls zur Herstellung der Heckrotorblätter genutzt. Die Blattenden sind rechteckig und somit scharfkantig
eformt. Das Hauptgetriebe ist dreistufig mit einer Planetenstufe ausgelegt. Der links liegende, zweiblättrige Heckrotor
besitzt ein zentrales Schlaggelenk, ist halbstarr ausgelegt und unten vorlaufend. Ungewöhnlich ist die große Bodenfreiheit
des Heckrotors. Erst in zwei Meter Höhe beginnt der Rotorkreis, was eine hohe Sicherheit beim Beladen des Heckladeraums, bei
Flugoperationen in niedriger Höhe und auch der Bodencrew gewährt. An den Enden der Höhenflosse wurde jeweils eine
Stabilisierungsflosse installiert.
Als Motorisierung finden für einen Hubschrauber dieser Gewichtsklasse erstmals zwei Allison 250-C20B Turbinen mit jeweils
420 Wellen-PS Verwendung, die in einem Winkel von 14° nach außen angeordnet und durch große Luken leicht zugänglich sind.
Durch einen Intake direkt vor dem Getriebe wird die Luft für die Turbinen angesaugt, die Abgase gelangen über zwei getrennte
Abgasrohre ohne IR-reduzierende Maßnahmen in die Umluft.
Die Konstruktion der Zelle ist recht konventionell in Leichtmetall-Halbschalenbauweise ausgeführt. Die Türen und einzelne
Verschalungen, wie die der Turbinen, sind aus GFK gefertigt. Die Front bilden zwei große abgerundete Frontscheiben, wodurch
gute Sichtverhältnisse für die Piloten garantiert werden. Um zwei Heckladetüren zu verwirklichen, akzeptierte man einen
aerodynamisch ungünstigen Übergang zum Heckrotor, wodurch Verwirblungen am Hubschrauberheck erzeugt wurden, so genannte
"Kármánsche Wirbelstrassen". Diese Verwirblungen führten zu einer Pendelbewegung um die Hochachse beim Vorwärtsflug bei
gleich bleibender Geschwindigkeit, der man durch eine zusätzliche Flosse unter dem Heckausleger entgegenwirkt.
Das Kufenlandegestell ist überelastisch geformt, um den Aufprall bei harten Landungen aufzufangen. Optional können Notschwimmer an
den Kufen installiert werden. Die Crew besteht im Normalfall aus dem rechts sitzenden Piloten und dem links sitzenden CPG
(Copilot / Kampfbeobachter), aber das Muster besitzt auch für Flüge mit Einmannbesatzung die Zulassung. Flügeltüren ermöglichen den
Zugang zu den Pilotensitzen, während die hintere, optionale Dreisitzbank über zwei, jeweils an den Seiten befindliche Schiebetüren
erreichbar ist. Die Hauptkabine ist 1,4m breit und 1,25m hoch. Anstelle der Sitzbank können auch zwei Tragbaren oder Nutzlast
mitgeführt werden. Über zwei Lukenklappen am Kabinenende ist der mit der Hauptkabine verbundene Heckfrachtraum zugänglich. In der
zivilen Luftrettung wird hier der Verletzte transportiert. Dieser Frachtraum ist nur 0,57m hoch und wird bei den bewaffneten
Versionen nicht genutzt.
Bei Bedarf können zwei Zusatztank mit einer Kapazität von 200 Litern ebendort installiert werden, von der
Bundeswehr wurden diese allerdings nicht beschafft. Die Hauptkabine kann auch zur Aufnahme der Einsatzausrüstung genutzt werden.
Optional können Suchscheinwerfer, Kabinenheizung, Enteiser, Doppelsteuerung, Lasthaken, Rettungswinden oder faltbare Rotorblätter
zur Ausstattung hinzugefügt werden. Bei den Versionen CS, CBS und LS wurde die Kabine um 25cm verlängert. Ein weiteres Novum in der
serienmäßigen Ausstattung eines Hubschraubers dieser Klasse stellt sich in Form der doppelten Auslegung der hydraulischen und
elektrischen Systeme dar, was einem entscheidenden Punkt in der Betriebssicherheit bedeutet.
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