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Sunzi

"Die Kunst des Krieges"


Das vierte Kapitel mahnt sowohl abermals zur Bescheidenheit als auch zum langfristigen Vorausdenken: "Den Sieg nur zu sehen, wenn er auch von allen anderen gesehen wird, ist kein Beweis hervorragender Leistung. Und es ist kein Beweis hervorragender Leistung, wenn du kämpfst und siegst und das ganze Königreich sagt: Gut gemacht! Wahre Vortrefflichkeit ist es, insgeheim zu planen, sich heimlich zu bewegen, dem Feind einen Strich durch die Rechnung zu machen und seine Pläne zu vereiteln, so dass zumindest der Tag ohne einen Tropfen vergossenen Blutes gewonnen wird."
Und weiter: "Die alten Weisen nannten den einen klugen Kämpfer, der nicht nur siegt, sondern sich dadurch auszeichnet, dass er mit Leichtigkeit siegt. Seine Siege werden ihm aber weder den Ruf der Weisheit noch den des Mutes einbringen. Denn soweit sie durch Umstände errungen wurden, die nicht ans Licht gekommen sind, wird die Allgemeinheit nichts von ihnen wissen und deshalb wird man ihn nicht wegen seiner Weisheit loben; und wenn sich der feindliche Staat unterwirft, ehe ein Tropfen Blut geflossen ist, wird man ihn nicht für seinen Mut rühmen."
Wenn Sunzi im alten Rom bekannt gewesen wäre, hätten sich die Senatoren im Zweiten Punischen Krieg vielleicht gehütet, den erfolgreichen, aber ohne Pomp agierenden Feldherrn Fabius als "Cunctator" (Zauderer) zu beschimpfen und seines Amtes zu entheben, während sie später den geschickten Selbstvermarktern Pompeius und Cäsar zu Füssen lagen. Und heute? Wir sehen in allen Bereichen, dass die Öffentlichkeit nicht die Leistung liebt, sondern den schönen Schein.
Ich würde hier gar nicht so weit ausholen, ginge es nur um Eitelkeit und Sensationsgier an sich: Mich besorgt vielmehr, dass diese allzumenschlichen Schwächen oft den Blick auf grosse Probleme und kommende Gefahren verstellen - nicht nur im Krieg! Das ist oft der Grund dafür, weshalb, wie der französische Philosoph Montaigne treffend bemerkt, "die ersten Stühle gewöhnlich von weniger befähigten Leuten besetzt sind", während andere die Kärrnerarbeit machen müssen.

Das fünfte Kapitel befasst sich vor allem mit Psychologie: "Mitten im Toben und Wogen des Kampfes mag scheinbar Unordnung herrschen, wo doch keine Unordnung ist (...) Vorgetäuschte Unordnung erfordert perfekte Disziplin; vorgetäuschte Furcht erfordert Mut; vorgetäuschte Schwäche erfordert Stärke."
Dazu erübrigt sich jeder Kommentar.

In den Kapiteln Sechs bis Elf geht Sunzi auf die Schwierigkeiten der Kommunikation, der Menschenführung und der taktischen Gegebenheiten detailliert ein. Hier ein einzelnes Zitat herauszugreifen, ist schwierig, es muss im Zusammenhang gelesen werden. Es lässt sich jedoch leicht erkennen, dass die in der Bundeswehr als "modern" verkaufte "Innere Führung" in Wirklichkeit so alt ist wie die Menschenführung selbst; das wusste Sunzi ebenso gut wie Alexander der Grosse, Cäsar, Francis Drake, Mao Zedong (der fast wörtlich bei Sunzi abgeschrieben hat) usw. usf. Und im Alten Testament können wir nachlesen, dass Moses beim Auszug aus Ägypten genau dieselben Führungsprobleme mit seinen Israeliten hatte, die heute noch jeden Politiker plagen, wenn die Masse ihm nicht mehr folgen will. Alle diese Fälle und noch viele andere lassen sich mit den Worten Sunzis beschreiben und analysieren.

Das zwölfte Kapitel "Angriff durch Feuer" erscheint heute durch die technische Entwicklung weitgehend überholt, ist jedoch wegen der psychologischen Bezüge immer noch lesenswert.

Schliesslich setzt der Philosoph das wohl wichtigste Kapitel ans Ende des Buches: "Der Einsatz von Spionen."
"Die Kenntnis der Geisterwelt wird durch das Orakel erlangt; Informationen in Naturwissenschaften können durch Erfahrungswerte gewonnen werden; die Gesetze des Universums können durch mathematische Schlüsse bewiesen werden. Doch die Pläne des Feindes sind durch Spione und nur durch sie zu ermitteln." (Sunzi ordnet auch Überläufer des Feindes als "übergelaufene Spione" ein.)
Nach eingehender Erklärung von Spionage und Gegenspionage schliesst das Kapitel mit einer eindringlichen Mahnung: "So wird der erleuchtete Herrscher und der weise General die Intelligentesten seiner Armee als Spione einsetzen und auf diese Weise hervorragende Erfolge erzielen. Spione sind ein äusserst wichtiges Element des Krieges, denn von ihnen hängt die Fähigkeit einer Armee ab, sich zu bewegen."
Hier ist anzumerken, dass sich die "Weltgeschichte der Spionage" von Janusz Piekalkiewicz wie eine 500seitige Aneinanderreihung von Beispielen zu Sunzi liest. Das war offensichtlich nicht die Absicht des Autors, es ergibt sich jedoch wie von selbst.)

Abschliessend ist festzuhalten, dass dieses Buch natürlich bei aller Qualität nur ein Fundament sein kann, auf dem jeder einzelne Nutzer aufbauen muss. Es gibt auch in der Kriegskunst immer noch etwas dazuzulernen und Sunzis Werk ist dafür die beste Grundlage, die jemals geschaffen wurde. Möge nun jeder seinen eigenen Nutzen daraus ziehen.

Verfasst im Sommer 2001 von HG d. R. Klaus Gieg, auf eine Bitte von HG Martin Seibert, beide 1./NschBtl 310. Überarbeitet im Februar 2003.

Das Buch

Buch Kurzbeschreibung
Die Kunst des Krieges von Sunzi
Titel: Die Kunst des Krieges
Autor: Sunzi, James Clavell (Herausgeber)
Verlag: Knaur MensSana
ISBN: 3426870584



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