Royal Ordonance
Die SA-80 Waffenfamilie
Auch wenn die Berichte über konstruktionsbedingte Probleme nicht abrissen ist das SA-80 nun um ein vielfaches zuverlässiger als
zuvor, lediglich das Vertrauen der Soldaten in ihre Waffe will nicht so recht zurückgekommen. Nach der großen Modernisierung
liefen Tests um wieder in die NATO Nominated Weapons List aufgenommen zu werden. Ein entsprechendes positives Ergebnis wurde
im März 2002 bekannt gegeben.
In jedem Fall schlug das britische Verteidigungsministerium mit seiner Entscheidung für eine Modernisierung des SA-80 einen
günstigeren Weg ein als wenn es ein neues Waffensystem angeschafft hätte. Ob es sich allerdings wirklich der richtige war und
die Rechnung aufgeht bleibt eine andere Frage. Immerhin wird das L86 in seiner Rolle bereits nach und nach durch das FN Minimi
Para
(L110 A1) ersetzt. Zunächst wurden nur geringe Stückzahlen (2002: 300 Stück für Truppen in Afghanistan; Anfang 2003: 700 Stück
in Erwartung eines erneuten Irakkrieges) als Ergänzung angeschafft. Doch schon im Mai 2003 wurde bekannt, dass das L110 A1
zukünftig das L86 A2 in seiner Rolle als Nahunterstützungswaffe ersetzen soll. Etwa 2500 Stück sollen für diesen Zweck
angeschafft werden. Ein Teil der restlichen Waffen soll weiterhin in Verwendung bleiben, aber wegen seiner höheren Präzision
in einer Rolle ähnlich dem Designated Marksman's Rifle der Amerikaner. Im Gruppenrahmen soll so einem Zielfernrohrschützen
(nicht zu verwechseln mit einem reinrassigen Scharfschützen!) die Möglichkeit gegeben werden Einzelziele genauer bekämpfen zu
können. Der andere Teil überschüssiger LSW soll den Planungen zu Folge zu L85 A2 Karabinern
umgebaut werden. Diese kürzeren Versionen sollen dann hauptsächlich an Panzerbesatzungen ausgeteilt werden.
Die Anschaffung eines neuen Sturmgewehres ist aber nicht vor 2020 geplant. Bis dahin soll das L85 A2 die Standardwaffe
der Infanterie bleiben. Dennoch gibt es gelegentlich Gerüchte über eine vorzeitige Einführung einer alternativen Waffe
(z.B. H&K G36). Dafür gibt es jedoch bisher keinerlei offizielle Bestätigung.
SA-80 A1
Technik/Baugruppen
Wie bei den meisten Sturmgewehren dieser Zeit handelt es sich auch beim SA-80 um ein Gasdrucklader mit
Drehverschluss (ähnlich dem System des G36).

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Das Rohr (21) bildet im zerlegten Zustand zusammen mit dem Handschutz (19) und dem oberen Teil des Gehäuses eine Baugruppe.
An der Laufmündung ist ein üblicher Mündungsfeuerdämpfer (17) angeschraubt. Der aus Kunststoff gefertigte Handschutz
lässt sich auf der oberen Seite zum Zerlegen des Gewehres aufklappen (Klappe 14), sodass man den Gaskolben (13) und das
Gasgestänge (11) erreichen kann. An der linken Seite des Handschutzes ist außerdem die Aufnahme (18) für den Trageriemen
befestigt. Vor der Klappe, die bei frühen Modellen die unschöne Eigenschaft hatte sich selbstständig zu öffnen, befindet sich
einen Schwalbenschwanzführung die bei Verwendung des Gewehres mit einer Optik unbenutzt bleibt. Wenn an dem Gewehr jedoch keine
Optik verbaut ist, wird an dieser Führung das Korn der Visierung befestigt. Auf Höhe dieser Befestigung befindet sich am Lauf
die Gasentnahme (15) von wo aus die Gase auf den Gaskolben geleitet werden. Beim SA-80 gibt drei Regulationsmöglichkeiten
(Regler 16) um die Menge des Gases zu regeln. Die erste Position ist für den Gebrauch unter normalen Umständen vorgesehen.
Die zweite Position, bei der die Menge des austretenden Gases erhöht wird, ist für widrige Umstände gedacht, also den Einsatz
unter Extremtemperaturen und vor allem wenn die Waffe stark verschmutzt ist. Bei der dritten Position wird die Gasentnahme
komplett geschlossen und ist für die Verschuß von Gewehrgranaten vorgesehen.
Der Rest des Gehäuses ist aus gepresstem Stahlblech gefertigt und teilweise mit angeschweißten bzw. angenieteten
Blechstücken verstärkt. Trotzdem ist das Gehäuse von der Materialstärke her sehr dünn beschaffen. Dementsprechend
scheint es gegenüber grober Behandlung und harten Schlägen empfindlich zu sein. Dadurch entstehende Schäden am
Gehäuse werden für einige Störungen am SA-80 verantwortlich gemacht. Im Inneren des oberen Gehäuses befinden sich
die Verschlussbahn und die Schließfeder (1) die dafür verantwortlich ist, dass der Verschluss nach dem Brechen des Schusses
wieder nach vorne geführt wird. Der Verschluss besteht wie auch beim G36 aus Verschlussträger (5) und dem Verschlusskopf (24),
in dem wiederum der Schlagbolzen (3) eingesetzt ist. Zusammengehalten wird die Konstruktion durch den Sicherungsbolzen (4) und
den Steuerbolzen (28, auch Führungsbolzen), der gleichzeitig für die Drehung des Verschlußkopfes zuständig ist. Direkt am
Verschlussträger ist auf der rechten Seite der Ladehebel angebracht.
Das Griffstück bildet mit dem dahinter liegenden Teil das, durch das Schulterstück abgeschlossene, untere Bauteil. Dieses Bauteil wird
durch zwei Sicherungsbolzen mit dem oberen Teil verbunden. In ihm befindet sich die gesamte Abzugsmechanik (30-33) sowie
der Magazinschacht. Der Feuerwahlhebel befindet auf der linken Seite kurz hinter dem Magazinschacht. Es stehen die zwei
Feuermodi, Einzel- und Dauerfeuer, zur Auswahl. Gesichert wird die Waffe durch einen Querbolzen direkt am Abzug. Dieser
wurde im Laufe der Produktion etwas schwergängiger gestaltet damit ein unbeabsichtiges entsichern der Waffe ausgeschlossen
werden konnte. Auf der linken Seite des Magazinschachtes befindet sich der Magazinlösehebel (26), der auf Druck das Magazin
freigibt. Da die Feder am Hebel zu wenig Widerstand bot kam es vor das geladene Magazine herausfielen, nur weil der Hebel an
der Kleidung oder Ausrüstung des Soldaten entlangstreifte. Nach Bekanntwerden dieses Problems verbaute Royal Ordonance
zunächst eine wesentlich stärkere Feder und erhöhte den Metallrand ringsum um es zu beheben. Später wurde ein neuer
Lösehebel mit niedrigerem Profil gewählt.
Um die Treffgenauigkeit zu erhöhen war beim der Entwicklung der Waffe von Beginn an ein optisches Visier geplant. Auf der
Standardversion SA-80 A1(L85 A1) findet deshalb eine 4-fach vergrößernde Optik (8) mit der Bezeichnung SUSAT (Sight Unit, Small Arms,
Trilux) Verwendung. Zielen tut der Schütze mit Hilfe eines einfachen Fadenkreuzes welches bei Dunkelheit durch Tritiumbauelement
zum Leuchten gebracht wird. Auf diese Weise ist keine Batterie notwendig. Das Tritiumelement soll eine Lebensdauer von ca
10 Jahren besitzen bevor es ausgetauscht werden muss. Durch das Visier ist auf weite Entfernungen ein sehr gutes Trefferbild
möglich, auf geringe Kampfentfernungen kann sich die starke Vergrößerung jedoch auch als hinderlich erweisen. Außerdem ist das
Visier gegenüber starken Temeperaturschwankungen (z.B. Tag - Nacht in der Wüste) recht empfindlich und kann leicht von Innen
beschlagen. Für den Fall das die Optik beschädigt wird ist auf ihr eine einfache Notvisierung (7) angebracht. An der Optik
befinden sich Schrauben um eine Justierung der Waffe vornehmen zu können. Mittels eines Rädchens (6) lässt sich die Optik auf
unterschiedliche Schussweiten einstellen während es sich mit den zwei, auf beiden Seiten vom Visier befindlichen Schrauben (9)
seitlich einstellen lässt. Da die Optik im Vergleich jedoch recht teuer ist gibt es auch eine konventionelle Lösung.
Dazu wird an Stelle der SUSAT Optik ein Tragegriff mit integriertem Dioptervisier verbaut. Diese Lösung ist oftmals an L85
(SA-80) der rückwärtigen Dienste zu finden.
Für das L85 A1 (SA-80 A1) wurde ein spezielles Mehrzweckbajonett entworfen. Dieses hat einen hohlen Griff, der direkt über den
Mündungsfeuerdämpfer geschoben wird und dann einrastet. Ein Problem dieser Konstruktion ist, dass das Bajonett beim Schiessen sehr
heiß werden kann. Auch der Werkstoff Aluminium war keine glückliche Wahl. Das Bajonett ist dadurch nicht sehr scharf und bricht
sehr leicht. Ähnlich dem alten NVA Bajonett kann es zusammen mit der Messerscheide als Drahtschneider benutzt werden.
Außerdem gibt es für das L85 A1 wie beim M16 einen 40 mm Granatwerfer (nicht zu verwechseln mit dem neuen System für das L85 A2!)
für den es eine spezielle Adaptionsmöglichkeit an einem modifizierten Handschutz gibt. Dieser fand jedoch kaum Verwendung bei
den britischen Streitkräften.
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